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Linoleum ist ein Bodenbelag, der seit mehr als 100 Jahren
hergestellt wird. Seinen Namen hat es von einem seiner wichtigsten
Rohstoffe, dem Leinöl, lateinisch "oleum lini".
Durch seine Zuverlässigkeit und Beständigkeit ist
Linoleum mittlerweile zum Klassiker unter den Bodenbelägen
geworden.

Die marktbeherrschende Rolle des Linoleums schwand allerdings
in den 60er Jahren, statt dessen gewannen Stragula und Balatum
(bedruckete Bitumenpappen) und PVC-Beläge an Bedeutung.
Linoleum wäre längst in die ewigen Jagdgründe
der Baugeschichte eingegangen, wenn es den Anforderungen einer
modernen Bautechnik nicht mehr entsprechen würde.

Doch in den letzten Jahren erlebte Linoleum eine Renaissance.
Die Ursache dafür ist mannigfaltig. Zum einen sind es
sicherlich die vielen hervorragenden Eigenschaften, die ein
Linoleumboden bietet, zum anderen ist es die Tatsache, daß
Linoleum zum überwiegenden Teil aus natürlichen
bzw. unbegrenzt verfügbaren Rohstoffen besteht und somit
dem gesteigerten Ökologiebewußtsein des Konsumenten
Rechnung trägt.
Die Rohstoffe
zur Herstellung von Linoleum

Linoleum ist der einzige auf dem Markt angebotene Bodenbelag,
der aus überwiegend natürlichen, nachwachsenden
Rohstoffen hergestellt wird:
Leinöl - Harze - Holz- und Korkmehl - Kalksteinmehl -
Jute - Farbpigmente - Trockenstoffe.

Leinöl wird aus dem Samen
der Öllein-Pflanze (Flachs) gewonnen und wird der Linoleumproduktion
nahrungsmittelrein zugeführt.

Harze sind neben dem Leinöl
der weitere wichtige Bestandteil des Bindemittels. In der
Linoleumproduktion wird oft eine Mischung aus Balsam- und
Kopalharz eingesetzt. Ähnlich wie Kautschuk wird Balsamharz
durch Anzapfen von Plantagenbäumen gewonnen. Kopal dagegen
ist ein fossiles Harz wie Bernstein, das im Boden der Baumumgebung
gefunden wird.

Holz und Kork sind nachwachsende
Rohstoffe, die als Holzmehle und Korkschrote verarbeitet werden
und frei von Konservierungsmitteln sind. Das Holz stammt von
Originalstämmen und nicht etwa von bereits imprägnierten
Produkten. Das Korkmehl wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen
oder auch aus den Korkabfällen anderer korkverarbeitender
Betriebe, wie zum Beispiel der Schuhindustrie oder der Flaschenkorkenfertigung.

Kalkstein steht weltweit in
großen Mengen zur Verfügung und wird in Form von
Kreide als Füllstoff verwendet.

Jutegewebe dient bei der Linoleumproduktion
als Trägermaterial. Es wird aus Pflanzenfasern hergestellt.
Die zu seiner Herstellung verwendeten Hilfsstoffe sind ebenfalls
natürlichen Ursprungs, wie z.B. die Schlichte aus Kartoffelstärke.

Farbpigmente dienen zur Aufhellung
und Einfärbung der sonst dunkelbraunen Grundsubstanz
des Linoleums.

Trockenstoffe beschleunigen
den Oxidationsvorgang des Leinöls. Unbedenkliche Stoffe
wie zum Beispiel Mangan werden verarbeitet.
Der Produktionsprozess

Das Leinöl wird mit den Trockenstoffen gekocht, wobei
es durch Sauerstoffzugabe zum Linoxyn oxydiert. Hat das Leinölfirnis
eine bestimmte Viskosität erreicht, wird es mit den zuvor
eingeschmolzenen Harzen gemischt. Das Zwischenprodukt wird
als Linoleumzement bezeichnet, das bis zur weiteren Verarbeitung
ausgekühlt und gelagert wird.

Bei Frederic Walton, dem Erfinder des Linoleums vor über
130 Jahren, und bis vor wenigen Jahren erfolgte der Oxydationsvorgang
über Nesselbahnen, auf die das Leinöl tropfte, einige
Wochen langsam an der Luft oxydierte und erst in einem zweiten
Arbeitsgang mit dem Harz verschmolzen wurde. Heute wird dieser
Vorgang in großen Trommeln durch Kochen in einem Arbeitsgang
beträchtlich verkürzt. Sonst aber vollzieht sich
der Produktionsvorgang im wesentlichen wie zur Zeit Waltons.

Nach einer Lagerung wird der Linoleumzement mit Kork- und
Holzmehl, Kreide und Farbpigmenten vermischt und mehrmals
geknetet. Aus dieser Masse werden als Zwischenprodukt kleine
"Würstchen" geformt und in Silos gelagert.
Bei gemusterter Ware werden je nach Farbzusammenstellung verschiedenfarbige
"Würstchen" über mehrere Kalander auf
den Juteträger aufgewalzt.

Vom Kalander wird das Linoleum direkt und in endlosen Bahnen
in die sogenannte Reifekammer eingezogen. Denn Linoleum muß
einen bestimmten Oxydationsgrad erreichen, um eine entsprechende
Festigkeit zu bekommen. Je nach Dicke muß das Linoleum
dort zwei bis vier Wochen "reifen".
Typische
Eigenheiten von Linoleum

Reifeschleier

Bedingt durch die stofflichen Eigenschaften der natürlichen
Öle erhält Linoleum während seines Reifeprozesses
einen leichten Gelbstich, den sogenannten Reifeschleier. Bei
hellen Dekoren tritt die Farbveränderung deutlicher auf
als bei dunklen. Licht baut den Reifeschleier ab. Je nach
Intensität der Sonneneinstrahlung bildet sich der zu
Beginn vorhandene Reifeschleier meist rasch zurück, der
Boden erhält eine frischere, kräftigere Farbe als
zuvor. Diese typische Eigenheit charakterisiert Linoleum als
natürlichen Boden und ist unvermeidbar.
Farbabstimmung

Da die Rohstoffe von Linoleum vorwiegend aus der Natur kommen,
gibt es zwischen Produktionschargen leichte Farb- und Strukturunterschiede.
Deshalb stimmen Hand- und Ausstellungsmuster nicht immer exakt
mit der späteren Lieferung überein.
Auch muß darauf geachtet werden, dass Muster meist belichtet
sind, der Reifeschleier also bereits fehlt.
Geruch

Linoleum hat zunächst einen typischen Eigengeruch, der
oft als Unterscheidungsmerkmal und Echtheitsbeweis dient.
Dies gilt jedoch nur für unverarbeitetes Material, da
verlegtes Linoleum kaum noch riecht. Ausnahmen sind meist
auf ungünstige Bedingungen wie zum Beispiel Feuchtigkeit,
unsachgemäße Behandlung, mangelhafte Pflege und
Reinigung mit ungeeigneten Mitteln zurückzuführen.
So sind alkalische Reiniger (Bodenseife) für Linoleum
ungeeignet, da sie mit dem Bindemittel reagieren und einen
etwas modrigen Geruch erzeugen.
Weiterführende Informationen finden Sie bei unseren
Links in der Servicezone.
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